Modelleisenbahn Spar-Tipp: Filter clever einsetzen

Wenn Du die Filtermöglichkeiten in Online-Marktplätzen und Börsen clever einsetzt, kannst Du Schnäppchen finden. Erfahre warum dies so ist und erhalte Anregungen zum Umgang mit Filtern.

Von Dipl.-Kfm. Elmar Schulte, Gründer und Projektleiter moba-preise.com

Was ist ein Filter?

Zunächst möchte ich kurz ausführen, was unter einem Filter zu verstehen ist. Wenn Du diese Funktion in Online-Shops bereits kennst, so kannst Du diesen Absatz überspringen.

Lass mich mit einem Beispiel beginnen: Kannst Du Dich noch an Deine Kindheitstage im Sandkasten erinnern? Stell Dir vor, Du hast ein Sieb. Dieses füllst Du mit Sand unterschiedlicher Körnung. Nun klopfst Du auf das Sieb und schüttelst es. Was passiert? Der feine Sand fällt durch die Maschen, während größere Steinchen oder Fremdstoffe im Sieb liegenbleiben. Lässt Du den Sand anschließend durch ein Sieb mit einer geringeren Maschengröße fallen, bleiben andere Steine hängen, während nur noch feinerer Sand durchfällt.

Einen Filter in Online-Marktplätzen musst Du Dir nun ähnlich vorstellen wie ein Sieb. Der ursprüngliche Sand ist dabei vergleichbar mit der gesamten Datenmenge, auf die der Online-Marktplatz zurückgreifen kann. Jede aktivierte Kategorie-Auswahl (diese stellt ja auch schon einen Filter dar) und Filter-Option lässt nun einen gewissen Teil der Daten "liegen", bis Du am Schluss nur die gewünschten Produkte erhältst.

Fast jeder Online-Handelsplatz verfügt heutzutage über Filtermöglichkeiten. Denn die Anzahl der angebotenen Produkte ist mittlerweile meist so groß, dass es für Dich gar nicht möglich wäre, diese einzeln - also ohne Filter - zu prüfen. Filter sind daher mittlerweile zu einem festen und wichtigen Bestandteil vieler Online-Marktplätze geworden. Nutzer haben damit die Möglichkeit eine große Anzahl von Angeboten schnell und problemlos eingrenzen. Um so mehr Filter Du aktivierst, um so weniger Ergebnisse werden Dir angezeigt.

Der Einsatz von Filtern ist aber nur möglich - und macht auch nur dann Sinn - wenn Du als Kunde bereits eine klare Vorstellung über das gewünschte Produkt hast.

Warum der Einsatz von Filtern Sinn macht

Filter sind eine super Sache und erleichtern auch im Modellbahnbereich das Auffinden des gewünschten Modells erheblich. Viele Online-Angebote geben Dir die Möglichkeit, Deine Suche beispielsweise auf einen bestimmten Maßstab, eine Spurweite, auf einen Hersteller oder ein Stromsystem einzuschränken. Für Dich nicht interessante Modelle werden somit von vornherein ausgeblendet. Oft erfolgt dies bereits über eine entsprechende Kategorisierung. Die Einordnung in eine Kategorie kann somit schon als Filter angesehen werden. Bist Du H0-Gleichstrom-Modellbahner, werden Dich kaum Angebote in Spur N oder Wechselstrom interessieren. Es ist daher durchaus sinnvoll und hilfreich, wenn Du diese Angebote erst gar nicht angezeigt bekommst. Kombinierst Du die Filter mit einem Suchbegriff, erhältst Du meist eine überschaubare Anzahl von Ergebnissen. Somit kannst Du die von Dir gewünschten Angebote schnell finden.

Probleme der Filter

So praktisch Filter auch sein mögen - sie verfügen leider über eine Schwachstelle: Einige Produkte können außen vor bleiben. Das heißt, diese werden Dir nicht angezeigt, obwohl diese ansich als Ergebnis zu Deiner Anfrage passen würden.

Wie kommts dazu? Nun, die Filter arbeiten nach Angaben, welche vom Hersteller, Händler oder Verkäufer zur Verfügung gestellt oder eingegeben wurden. Auch oder zusätzlich kann die Einordnung eines Produkts mittels eines Algorithmus (quasi einem Computerprogramm) automatisch ermittelt worden sein. Fehlen Angaben, sind diese verkehrt, oder erfolgte die durch einen Algorithmus getroffene Zuordnung nicht korrekt, so kann es vorkommen, dass ein Produkt bei einer Suchanfrage nicht berücksichtig wird. Dies hat dann zur Folge, dass es Dir nicht angezeigt wird - und dass, obwohl es ein passendes Angebot zu Deiner Abfrage wäre.

Ein Filter kann nur so gut und verlässlich sein, wie die zugrunde liegenden Daten sind. Sind diese schlecht oder fehlerhaft, kann auch ein Filter keine guten Ergebnisse liefern.

Worin Deine Chance liegt

Deine Aufgabe sollte nun darin bestehen Modelle aufzuspüren, bei denen genau ein solches Problem vorliegt. Versuche also Produkte zu finden, die keiner oder einer falschen Kategorie zugeordnet sind oder wo die für Filter nötigen Angaben fehlerhaft, unvollständig oder gar nicht erst vorhanden sind. Versuche Angebote zu finden, die von Filtern nicht oder zumindest nicht vollständig erfasst werden können. Du erhältst damit die Chance Angebote zu finden, die vom Preis her deutlich unter vergleichbaren Offerten liegen.

Doch warum ist das so? Den Effekt habe ich in der Einleitung "Clever Suchen: Grundlagen" ausgeführt. Lies den Artikel bitte nach, sollten Dir die Zusammenhänge nicht mehr vertraut sein oder solltest Du den Beitrag noch nicht kennen.
An dieser Stelle sei dazu kurz angemerkt: Bei Auktionen kann es sein, dass weniger Interessenten auf ein Modell aufmerksam gemacht werden. Dies hat im Normalfall zur Folge, dass der Preis nicht so stark steigt. Auf Marktplätzen kann ein Artikel zu einem Ladenhüter werden. Hieraus kann sich ergeben, dass ein unwissender Verkäufer - mit der Hoffnung das Modell dann absetzen zu können - den Preis reduziert.

Wie Du es angehen kannst

Angebote finden, die vom Filter nicht berücksichtigt werden - das ist einfach gesagt - doch wie getan? Wie bereits erwähnt solltest Du versuchen Modelle zu finden, die andere Interessenten nicht angezeigt bekommen bzw. diese übersehen. Nachfolgend möchte ich Dir ein paar Ansatzpunkte geben, wie Du dies angehen kannst.

Zunächst könnte es sich anbieten einen Blick in andere Kategorien zu werfen. Meinen Beobachtungen zu Folge kommt es gelegentlich vor, dass Gleich- und Wechselstrom verwechselt wird. Insbesondere bei Modellen, die auf beiden Stromsystemen eingesetzt werden können, oder die zum Einsatz auf einem anderen System umgebaut wurden, ist die Kategorisierung oftmals nicht klar. Soll die Einordnung in der Ursprungskategorie erfolgen und ergibt sich somit aus Hersteller und Artikelnummer ein schlüssiges Bild? Oder soll das Modell so eingeordnet werden, dass die Angabe dem praktischen Nutzen entspricht? Dies Frage ist oftmals nicht klar zu beantworten. Daher kann die Auswahl der Kategorie unterschiedlich ausfallen. Es ist daher durchaus möglich, dass ein Modell von einem anderen dort eingeordnet wurde, wo Du es zunächst nicht vermuten würdest.

Eine falsche Einordnung konnte ich auch dann beobachten, wenn es sich beim angebotenen Artikel um ein Modell eines Herstellers handelt, der beispielsweise üblicherweise für Wechselstrommodelle steht. Die Einordnung in der Kategorie Gleichstrom mag dann - selbst wenn es sich um ein Gleichstrommodell handelt - nicht selbstverständlich sein. Es kann daher Sinn machen ohne Eingrenzung auf ein Stromsystem zu suchen.

Nicht allen Anbietern, insbesondere wenn diese unerfahren sind und nur einmalig oder gelegentlich Angebote einstellen, ist die korrekte Einordnung geläufig. So kann es beispielsweise bei der Auswahl zwischen den Varianten Lokomotive, Triebwagen oder Triebzug schon Unstimmigkeiten geben. Schnell ist daher eine falsche Auswahl getroffen. Dies kann zur Folge haben, dass ein Modell bei der entsprechenden Auswahl eines Interessenten nicht angezeigt wird. Ich empfehle Dir nicht einzelne solcher Kategorien auszuschließen sondern alle Varianten zu berücksichtigen.

Ebenfalls nicht einfach - und somit oftmals nicht korrekt - ist die Angabe der Farbe oder die Zuordnung zu einer Epoche. Denn oftmals sieht nicht jeder die charakterbestimmende Farbgebung klar und somit identisch. Bei der Einordnung eines Modells in eine Epoche tun sich selbst Eisenbahnfans schwer. Weiterhin ist es durchaus möglich, das ein Modell mehreren Epochen zugeordnet werden kann. Schnell kann das Modell somit einem Filter zugeordnet werden, den andere so nicht gewählt hätten. Ich empfehle Dir daher Dich nicht auf diese Einordnung zu verlassen sondern in Bezug auf Epoche und Farbe - sofern die Auswahl überhaupt zur Verfügung steht - ohne Einschränkungen zu suchen.

Die Filterung der Produkte nach shoprelevanten Angaben wie "kostenloser Versand", "Artikelstandort" oder "Rücknahme" beschreiben eher Service-Angebote. Sie sagen nichts über das Modell aus. Sie können daher dazu führen, dass bestimmte Modelle schon von vornherein ausgeblendet werden. Ich würde Dir daher empfehlen solche Filter nicht zu aktivieren. Berücksichtige lieber die Kosten und kalkuliere selber, ob das Angebot unter Berücksichtigung der Gesamtkosten und Bedingungen für Dich in Frage kommt.

Auch die Filterung nach dem Artikelzustand, den einige Marktplätze anbieten, sehe ich im Modellbahnbereich etwas kritisch. Die Idee einer solchen Gruppierung mag zwar generell durchaus sinnvoll sein. Doch die Einordnung was gebraucht, was gut erhalten und was als wie neu bezeichnet wird, finde ich sehr subjektiv. Die Angaben werden ja vom Anbieter vorgenommen. Eine objektive Prüfung durch eine neutrale Stelle findet nicht statt. Während ein Anbieter sein Modell, welches er ausgepackt und nur ein paar Runden gefahren hat, schon als Gebrauchtware einstuft, kann ein Anderer Anbieter eine Lok, die schon deutlich mehrere Betriebsstunden auf dem Buckel hat, optisch aber noch einwandfrei aussieht, als "wie neu" einordnen.
Auch wenn es mühsam ist - in solchen Fällen rechtfertigt sich meiner Ansicht nach durchaus der Aufwand die Produkte vorab nicht einzuschränken sondern sich die Mühe zu machen, die Angaben der einzelnen Angebote detailliert zu studieren. Häufig finden sich in der Artikelbeschreibung oder den Bildern Angaben, welche eine genauere Einschätzung zulässt.

Nicht entmutigen lassen

Die Suche nach Angeboten, die von Filtern nicht berücksichtigt werden, ist leider so mühsam wie Flaschensammeln. In meinen einleitenden Ausführungen zur cleveren Suche hatte ich Dich davor ja bereits gewarnt. Lass Dich nicht entmutigen. Leider werden die meisten Anfragen mit den unterschiedlichen Filtervarianten kein Ergebnis zu Tage fördern. Aber wenn Du mal einen Artikel entdeckst, dann kann sich Dir mit großer Wahrscheinlichkeit die Chance bieten, ein Schnäppchen zu machen.

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